Rettungsring

www.MarCollect.de© möchte auf dieser Seite die Geschichte des Rettungsring des DOAL-Frachters M/S TAVETA erzählen.

Der Stückgutfrachter M/V TAVETA lief am 30.9.66 vom Stapel und ging am 16.01.1967 auf Probefahrt. Das Schiff wurde von der DOAL nach Süd- und Ostafrika eingesetzt. 1973 wurde TAVETA zum Ausbildungsschiff ausgerüstet, nachdem M/V KARONGA – das bisherige Ausbildungsschiff – verkauft war.

Rettungsring des M/V TAVETA der DAL

Am 16. September 1975 brach südgehend etwa 175 sm südwestlich Lissabon – Position : 37 Grad 18 Min. Nord / 12 Grad 20 Min. West – an Bord ein fürchterliches Feuer aus, das letztlich 5 Menschenleben forderte.

Direkt nach Ausbruch des Feuers funkte M/V TAVETA SOS. Das in der Nähe befindliche etwa gleich große Compgnieschiff, M/V PELINDABA, eilte herbei und brachte zunächst einmal durch Übernahme 20 der 52 (!) Besatungsmitglieder in Sicherheit. Darunter befanden sich 14 Offiziersanwärter (darunter erstmals 2 Frauen) drei mitfahrende Ehefrauen, 3 Passagiere und 1 Tierpfleger.

Die Rettungsaktionen gestalteten sich schwierig, da das Schiff lichterloh brannte. Das Feuer war in einer der Kabinen ausgebrochen und verbreitete sich rasend schnell. Die Aubauten und mit ihnen die Funkstation wurden als erste vernichtet.

Nachdem bei Wind 7 bf und aufgewühlter See die Versuche von M/V PELINDABA fehlschlugen M/V TAVETA auf den Haken zu nehmen, kam gegen 14.oo Uhr der Befehl von Kpt. Rolff, das Schiff zu verlassen.

M/V PELINDABA übernahm die restlichen 28 Überlebenden der Katastrophe.

Am Nachmittag des 17.9. trafen die Schlepper HUDSON (Smit) und ATLANTIC (Bugsier) beim Havaristen ein.
Ladungsoffizier Dietmar F. und Ltd. Ing. Oe. standen an Bord der Bergungsschlepper noch einige Tage beratend zur Verfügung, bevor sie den Weg nach Hause, nach Hamburg, antreten konnten.
F. nahm als Andenken an den Tag, der auch sein Ende hätte bedeuten können, einen der nun ihrer Funktion enthobenen Rettungsringe mit nach Hause.

M/V PELINDAVA setzte seine Fahrt nun fort und traf am 19.9. in La Pallice ein, wo die Schiffbrüchigen von Reedereivertretern in Empfang genommen wurden. Am 20.9.wurde der überwiegende Teil der Leute mit neuer Chartermaschine nach Hamburg gebracht. Nur der verletzte 1. Ofizier St. flog einen Tag früher, da er sich in Hamburg noch in stationäre Behandlung geben músste.

BILD-Zeitung vom 17.09.1975 (Fragmente)

Die Seeamtsverhandlung fand bereits am 26.9.75 in Hamburg statt.
Der Spruch der Kammer war ein glatter Spruch zu Gunsten aller Beteiligten, Reederei, Kapitän und Besatzung.

….. Die Einrichtung und die Ausrüstung entsprach den Vorschriften.
Die Schiffsführung trifft kein Verschulden.
Die getroffenen Maßnahmen entsprachen den Erfordernissen.
Die Aufgabe des Schiffes war gerechtfertigt.……


M/V TAVETA wurde von den Schleppern nach Lissabon gebracht um dort das Feuer endgültig löschen zu können.

Am 3. Oktober verließ M/V TAVETA am Haken des Bugsier-Schleppers ATLANTIC Lissabon und traf am 10.10.75 am Afrika-Kai in Hamburg ein, wo sie bis zum 31.10.75 gelöscht (entladen (!)) wurde.
Zwischenzeitlich war M/V TAVETA an griechische Interessen nach London verkauft worden. Als M/V NICOS kam sie dort nach komplettem Neuaufbau wieder in Fahrt um dann 1977 an die – damals noch überschaubare COSCO nach China verkauft zu werden, wo sie als M/V DA BAI SHU noch mehr als 10 Jahre in Fahrt war ………

Ladungsoffizier F. ging aus familiären Gründen in die kleinere Fahrt, in die Küsten-Personenschiffahrt. Später soll er als Lotse bei einer der Elbe-Lotsen-Brüderschaften eingetreten sein.

Dem Vernehmen nach, wie in so vielen Seefahrerfamilien, wurde das Heim in keiner Weise maritim geschmückt. So kam dann auch dieser Rettungsring mit vielen anderen Dingen auf den Speicher.
Das wiederum sind die Glücksfälle für den Sammler. – Über einen den man kennt, der dann womöglich wieder einen kennt usw. wechselt dann das begehrte Stück den Besitzer. Dieser freut sich, er pflegt das Stück, nimmt im Geiste Anteil an dem Geschehen und stellt nun sogar die Geschichte, soweit sie ihm bekannt ist in das Internet.

Vielleicht sieht der heutige Lotse hier einmal durch Zufall „sein“ Erinnerungsstück wieder.

Die Geschichte zu diesem Rettungsring wurde zusammengestellt aus den Fakten der Zeitungsartikel und aus Erzählungen „dessen, der einen kennt……“ und der diesen Ring für die Sammlung www.MarCollect.de © beschafft hat.


Als Nachtrag sei erwähnt: nach dem Ableben meines Vaters haben wir viele Exponate aus Platzmangel abgegeben. Darunter auch den oben erwähnten Rettungsring und den Rahmen mit den Zeitungsartikeln. Beides ging an einen Käufer der die Exponate seinem Vater schenken wollte – der selbst auf der M/V TAVETA gefahren ist.


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