Die letzte große Reise

Als unser Vater am 21.09.2019 plötzlich verstarb, hat das eine tiefe Lücke hinterlassen. Natürlich kennst Du den Gesundheitszustand deiner Angehörigen. Natürlich weißt Du, das es mit zunehmender Anzahl von Lebensjahren unwahrscheinlicher wird, das der Mensch wieder Marathon läuft. Aber die meisten Krankheiten lassen sich doch heutzutage zumindest zum Stillstand bringen.

An diesem Punkt wähnten wir uns eigentlich auch …… bis es dann hieß: „kommen Sie ins Krankenhaus – am Besten heute noch“. Dann triffst Du den engsten Kreis der Familie und die Götter in weiß, die Dir dann versuchen schonend und langsam zu vermitteln, was Du aus der Ansage am Telefon schon längst für Dich zusammen sortiert hast – es geht zu Ende. Gespräche darüber wie es weiter gehen soll, was die Medizin machen kann. Was man nicht tun kann und nicht empfiehlt – und eigentlich am wichtigsten: Wie sind die Wünsche des Patienten in dieser Hinsicht.

Und in einem waren sich unsere Eltern immer einig – an einer Maschine vegetieren will keiner. Also war es, da alle anderen Wege erschöpft waren eine Frage von …… lassen wir das. So ein Tag kann verdammt lang werden.

Unser Vater hatte, als der Anruf kam bereits das Bewusstsein verloren und es auch nicht wieder erlangt. Von daher muss man annehmen, das er schmerzlos und in Ruhe von uns gegangen ist.

Und auf einmal ist dann alles anders – Der Vater ist nicht mehr. Der Ehemann ist nicht mehr – nach über 50 Ehejahren. Das muss man erstmal verdauen – auch wenn man aufgrund des Gesundheitszustands doch eigentlich hätte wissen müssen, das dieser Tag kommen wird.

Da stellen sich Fragen und Herausforderungen über die man normalerweise lieber nicht nachdenken mag. Familiär betrachtet haben wir es glaube ich bisher ganz gut verkraftet. Wir werden nicht jünger und jedem ist klar: Ein Kapitel ist zu Ende – das Leben geht weiter.

Nur ist das Leben eben erstmal nicht mit dem Tod vorbei. Einäscherung oder Bestattung – wenn Einäscherung, wo dann bestatten. Hier hatte mein Vater – wen wundert es, einen klaren Wunsch. Zeit seines Lebens hat es ihn an die See gezogen (ich hatte eine schlechte Kindheit – ich war nie in den Bergen! – nur um mal rum zu maulen) – so sollte es denn auch eine Seebestattung werden. Dadurch hat man in seiner Trauer noch ein wenig mehr Zeit – die Prozesse dauern halt eine Weile. Nur weil man tot ist, hören die Behördenverpflichtungen nicht auf und die Formalitäten müssen auch an zig Stellen korrekt erledigt sein. Zum Glück gibt es dafür Fachleute die das alles erledigen.

So kam es dann, das wir am 13.10.2019 die Asche unseres Vaters der Nordsee übergeben konnten.


Nach einer rührenden Trauerrede durch Kapitän Christian Detzkeit von der MS Jan Cux II wurde die Urne wunschgemäß der See übergeben. Vielen Dank an Kapitän und Crew.

Jetzt – fast ein Jahr danach, haben sich die Dinge eingespielt. Das Umfeld wurde an die neue Situation angepasst, das Bestattungsinstitut hat es nach 10 Monaten geschafft, die Seebestattungsurkunde zur Verfügung zu stellen, die Angesichts des Hobbies meines Vaters selbstverständlich auch hier einen Platz haben soll.

Ruhe in Frieden!

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